Mit dem Motorboot durch das Donaudelta
27.08.09
45° 04’N 029° 13’E
Uzlina
Heute war früh aufstehen angesagt. Um 04:30 Uhr klingelt der Wecker und eine halbe Stunde später sitze ich zusammen mit zwei anderen Deutschen aus München in Christis kleinem Motorboot. Er will uns den Sonnenaufgang von einem der vielen Seen aus im Donaudelta zeigen. Es ist noch sehr kühl und dünne Nebelschwaden steigen aus den zahlreichen Kanälen und Seen auf. Eine unbeschreibliche Stimmung liegt über dem Wasser. Wir fahren ungefähr eine dreiviertel Stunde in noch fast totaler Finsternis durch auch kleinste Seitenarme der Donau bis wir zu unserem Beobachtungspunkt gelangen. Dort angekommen, erwarten uns ein halbes Dutzend Pelikane. Durch die langsam am Horizont aufgehende Sonne scheint die Wasserfläche feuerrot zu glühen. Diese Morgenstimmung im Donaudelta entschädigt für das frühe Aufstehen. Sobald die Sonne vollständig aufgegangen ist, wirft unser Guide ein paar mal die Angel aus. Er ist wie die meisten Rumänen ein begeisterter Angler. Es dauert nicht lange und ein kleiner Barsch beißt an. Doch zu klein für unseren Guide und so wandert der Fisch zurück ins Deltawasser. Unsere Fahrt geht weiter. Immer wieder treffen wir auf Fischer, die in den frühen Morgenstunden ihre Netze abfahren und auf erfolgreichen Fang hin kontrollieren. Angeblich geht es diesen Fischern finanziell recht gut, erzählt uns Christi. Doch der Job ist mühsam. Viele von Ihnen leben die meiste Zeit des Jahres in ganz kleinen Fischersiedlungen direkt im Donaudelta, obwohl sie auch noch eine Heimat außerhalb des Deltas haben. Auch Christi kauft von den Fischern, denn seine eigenen Angelergebnisse und die seiner Gäste halten sich dieser Tage in Grenzen. Auf dem Hotelschiff wird der Fisch dann entweder in Form von Fischsuppe oder als Fischplatte serviert. Mittlerweile ist es hell geworden und wir beobachten in einer faszinierenden Umgebung Störche, verschiedene Reiherarten, Enten, Möwen und vor allem die sehr scheuen Pelikane. Gegen halb neun kehren wir von diesem wirklich sehr schönen Ausflug auf die Anastasia zurück und es gibt Frühstück. Danach ist Entspannen angesagt, denn der zweite Ausflug mit dem Motorboot wird erst um 16 Uhr stattfinden. Beim Mittagessen lerne ich Orvidiu und seinen 84-jährigen Nachbarn Willi aus der Schweiz kennen. Sie sind beide hier zum Angeln. Orvidiu ist gebürtiger Rumäne, ab seinem 8. Lebensjahr in Bayern aufgewachsen und arbeitet nun als Krankenpfleger in Zürich. Ich habe selten jemanden getroffen, der so schlecht über sein Heimatland denkt. Doch viele Punkte die er anspricht, wie zum Beispiel das Machogehabe der rumänischen Männer oder der hohe Verschuldungsgrad der Rumänen, lassen sich auch nicht leugnen. Dann geht es auf die zweite Bootsrunde. Der jüngere Bootsmann Christi II. fährt uns diesmal durch so enge und zugewachsene Kanäle, dass wir unsere Köpfe vor dem Schilf schützen müssen und unser Guide immer wieder den Motor aus dem Wasser zieht, damit er nicht an im Wasser liegenden Baumstämmen hängen bleibt. Wieder sehen wir Pelikane und auch Kormorane, die stolz Ihr Gefieder in der Sonne trocknen. Danach geht es weiter zu unvorstellbar großen Seerosenfeldern, auf denen kleinere Vögel spazieren. Sowohl die Pflanzen als auch die Tierwelt hier ist so faszinierend, dass man unbedingt einen Ausflug mit kleinen Motorbooten in das Delta unternehmen sollte. Mit den riesigen Ausflugsschiffen ab Tulcea ist diese Natur nicht zu erkunden. Am Abend schaue ich mit Orvidiu, Willi und Christi II., der übrigens seine Schneidezähne bei einem Bootsunfall verloren hat und jetzt einen Teil seines 180 EUR Monatslohnes für neue spart, das Weiterkommen der rumänischen Fussballclubs in der Europaliga an.






























