Strecke machen
22.08.09
44° 11’N 027° 20’E
Calarasi
Der gestrige Blick in die Karte machte mir eines klar. Heute hieß es Strecke machen. Denn von Giurgiu aus gab es laut Karte erst wieder in Calarasi Unterkunftsmöglichkeiten. Bis dahin schätzte ich die Strecke auf weit über 100 Kilometer. Und so wurde daraus heute dann auch ein neuer Streckenrekord mit 148 gefahrenen Kilometern. Zum Glück erwarteten mich nur kurz nach Giurgiu einige kleinere Anstiege. Der Rest der Strecke verlief weitgehend flach. Dazu hatte ich heute zumindest teilweise meinen alten Freund Rückenwind wieder auf meiner Seite. Ansonsten hätte ich diese lange Distanz wohl nicht so leicht hinter mir gelassen. Besonders gut gefallen haben mir heute neben den weiterhin extrem freundlichen Rumänen die tollen Ausblicke über unendlich erscheinende Felder. Solch große Agrarflächen und solch weite Blickmöglichkeiten gibt es in Deutschland gar nicht. Immer wieder halte ich an und genieße die Weite Rumäniens. Um mir die Zeit auf den teilweise wieder sehr einsamen und geraden Strecken zu verkürzen, fahre ich einen Großteil mit Musik von meinem ipod auf den Ohren. Das hilft mir ungemein, das biken zu genießen, führt aber auch das ein oder andere mal dazu, dass mich Kinder, die sich in Bäumen verstecken, wunderbar mit Ihrem Geschrei erschrecken können. Circa 35 Kilometer vor meinem heutigen Etappenziel habe ich dann auch noch einen rumänischen Verfolger. Hartnäckig klemmt er sich an mein Hinterrad. Irgendwann sehe ich nicht mehr ein, die ganze Arbeit „im Wind“ zu verrichten und gehe aus der Führungsposition. Mit etwas Widerwillen setzt er sich an die Spitze, gibt dann aber richtig Gas. Also klemme ich mit meinem schwer beladenen Reiserad dahinter und versuche, die knapp 30 km/h mitzuhalten. Ich denke mir, ewig kann der das auch nicht durchhalten. Und so kommt es auch. Ruckzuck darf ich wieder nach vorne und er klemmt wieder hinter mir. An der nächsten Tankstelle reicht es mir. Wir verabschieden uns freundlich und ich versorge mich erst mal wieder mit Getränken. Während Rumänen Benzin in PET-Getränkeflaschen abfüllen, fülle ich meine mit Wasser wieder auf. Danach noch ein kurzer Zwischenstopp an einem Minimarkt zwecks Eisaufnahme und dann werden die letzten 20 Tageskilometer in Angriff genommen. Mist, die Pause hat mir überhaupt nicht gut getan. Trotz Cola und Eis fühle ich mich total unterzuckert. Ich fahre wie in Trance und habe das Gefühl, mein Rad schlingert total. Also will ich anhalten und da passiert es. Ich habe das Mistvieh nicht gesehen, es aber mich und schon rennt es auf mich zu. Trotz akutem Erschöpfungszustand kann ich den Köter auch diesmal abhängen. Mein Herz rast und an der nächsten Einbuchtung bleibe ich stehen. Meine restlichen Riegel- und Gebäckvorräte müssen jetzt daran glauben. Danach geht es mir besser. In Calarasi angekommen, finde ich auch sofort ein Hotelzimmer. Nach dem obligatorischen Dusch- und Waschprogramm steht als erstes Abendessen an. Das besteht dann auch aus 2 Schweinenackensteaks, 3 Kebapspießen, 1 großem Salat, 2 Cappucini und 2 großen Bier. Auf dem Heimweg gönne ich mir dann noch 2 Magnum-Eis. Irgendwie muß ich meinen Kalorienhaushalt ja wieder ausgleichen. Und ganz ehrlich, ich freue mich schon wieder auf das Frühstück.













Hi Sven,
nachdem ich erst vor einer Woche von deinem Trip erfahren haben, verfolge ich erst seitdem deine Tour. Wünsche dir weiterhin alles Gute, bleib gesund und komm gut heim!
Gruss
Sven
Sven Blutke schrieb dies am 24. August 2009 um 00:16 |
Danke für die guten Wünsche. Kann ich gebrauchen. Morgen werde ich wohl mein Ziel erreichen, es sind noch ca. 120 km bis ans Schwarze Meer. Dann steht noch die Planung der bisher noch ungeklärten Rückreise an.
Schoene Gruesse
Sven
elbonanza schrieb dies am 24. August 2009 um 18:57 |