Überführungsetappe

•29. August 2009 • 2 Kommentare

28.08.09

44° 16’N 028° 37’E

Constanta

Um 8 Uhr lasse ich mich von Christi II. zusammen mit Orvidiu und Willi von der Anastasia mit dem Motorboot wieder ans Festland in Murighiol übersetzen. Es folgt ein kurzer Zwischenfall. Die Batterie des Wagens der beiden Schweizer ist leer. Doch in Rumänien kein Problem. Sofort ist ein Überbrückungskabel aufgetrieben und es kann auch für die beiden zurück nach Bukarest gehen. Für mich heißt es heute, in Richtung Flughafen Constanta zu radeln. Anhand der Karte hatte ich die Strecke für heute auf 120 Kilometer taxiert. Ich sollte mich täuschen, denn am Ende wurde ein neuer Tagesstreckenrekord daraus mit 155 geradelten Kilometern. Landschaftlich war die Strecke durchaus reizvoll. Bald nach meinem Start in Murighiol ging es zwischen Agighiol und Jurilovca entlang am Lacul Razelm immer wieder vorbei an riesigen Gemüsefeldern. Es wurden gerade Zwiebeln geerntet und dort direkt auf LKWs verladen. Allerdings hatte ich auf diesem Abschnitt auch meine dritte und diesmal heftigste Hundeattacke zu bestehen. Es fing zunächst alles recht harmlos an. Mal wieder wurde ich von mehreren Schäferhunden, die sich hinter einem Zaun befanden wie verrückt angebellt. Doch das war mir relativ egal, da der Zaun mir ja Schutz vor ihnen bot. Die Herde rannte hinter dem Zaun mit mir mit und alle bellten wie verrückt. Und dann geschah das Unerwartete. Durch ein Loch im Zaun stürmte plötzlich ein halbes Dutzend Schäferhunde zähnefletschend auf mich zu. Adrenalin raste durch meinen Körper und ich gab Gas. Was hätte ich ohne Bewaffnung gegen 6 ausgewachsene Schäferhunde sonst tun sollen. Ich konnte die aggressiven Vierbeiner jedoch nicht wirklich abhängen, sondern sah einen direkt neben mir rennen und bellen, ein anderer versperrte mir den Weg und sprang erst in letzter Sekunde zur Seite, als ich auf ihn zuraste. Ich gab soviel Gas, wie ich konnte. Doch viel Kraft hatte ich nicht mehr. Irgendwie gelang es mir aber dann doch, die hetzende Meute hinter mir zu lassen. Mein Herz raste. Zum Glück hatte keiner zugebissen. Und keine 50 Meter später begann ein harter Anstieg. Da hätte ich keine Chance zur Flucht mehr gehabt. Das war echt knapp. Es war die schwerste Hundeattacke auf der ganzen Reise und meine Lehre daraus: Das nächste Mal werde ich Pfefferspray mitnehmen. Danach zog sich die Strecke aufgrund doch mehr als erwarteter Anstiege und zum Teil heftigen Gegenwindes von der Schwarzmeerküste ziemlich in die Länge. Auch musste ich ein ca. 10 Kilometer langes Teilstück auf der vielbefahrenen E87 von Tulcea nach Constanta zurücklegen. Als ich dann nach 90 Kilometern das Schild Constanta 60 Kilometer las, war ich doch etwas überrascht und ernüchtert. Aber dank viel Cola, Eis, Brot und Äpfeln schaffte ich auch diese Herausforderung und quartierte mich dann nach etwas längerer Zimmersuche in der Urlaubsregion Mamaia bei Constanta in einer kleinen Ferienwohnungssiedlung ein. Nun werde ich noch einen Ruhetag hier genießen und am Sonntag in aller Frühe in Richtung Flughafen Mihail Kogalniceanu radeln.

Mit dem Motorboot durch das Donaudelta

•29. August 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

27.08.09

45° 04’N 029° 13’E

Uzlina

Heute war früh aufstehen angesagt. Um 04:30 Uhr klingelt der Wecker und eine halbe Stunde später sitze ich zusammen mit zwei anderen Deutschen aus München in Christis kleinem Motorboot. Er will uns den Sonnenaufgang von einem der vielen Seen aus im Donaudelta zeigen. Es ist noch sehr kühl und dünne Nebelschwaden steigen aus den zahlreichen Kanälen und Seen auf. Eine unbeschreibliche Stimmung liegt über dem Wasser. Wir fahren ungefähr eine dreiviertel Stunde in noch fast totaler Finsternis durch auch kleinste Seitenarme der Donau bis wir zu unserem Beobachtungspunkt gelangen. Dort angekommen, erwarten uns ein halbes Dutzend Pelikane. Durch die langsam am Horizont aufgehende Sonne scheint die Wasserfläche feuerrot zu glühen. Diese Morgenstimmung im Donaudelta entschädigt für das frühe Aufstehen. Sobald die Sonne vollständig aufgegangen ist, wirft unser Guide ein paar mal die Angel aus. Er ist wie die meisten Rumänen ein begeisterter Angler. Es dauert nicht lange und ein kleiner Barsch beißt an. Doch zu klein für unseren Guide und so wandert der Fisch zurück ins Deltawasser. Unsere Fahrt geht weiter. Immer wieder treffen wir auf Fischer, die in den frühen Morgenstunden ihre Netze abfahren und auf erfolgreichen Fang hin kontrollieren. Angeblich geht es diesen Fischern finanziell recht gut, erzählt uns Christi. Doch der Job ist mühsam. Viele von Ihnen leben die meiste Zeit des Jahres in ganz kleinen Fischersiedlungen direkt im Donaudelta, obwohl sie auch noch eine Heimat außerhalb des Deltas haben. Auch Christi kauft von den Fischern, denn seine eigenen Angelergebnisse und die seiner Gäste halten sich dieser Tage in Grenzen. Auf dem Hotelschiff wird der Fisch dann entweder in Form von Fischsuppe oder als Fischplatte serviert. Mittlerweile ist es hell geworden und wir beobachten in einer faszinierenden Umgebung Störche, verschiedene Reiherarten, Enten, Möwen und vor allem die sehr scheuen Pelikane. Gegen halb neun kehren wir von diesem wirklich sehr schönen Ausflug auf die Anastasia zurück und es gibt Frühstück. Danach ist Entspannen angesagt, denn der zweite Ausflug mit dem Motorboot wird erst um 16 Uhr stattfinden. Beim Mittagessen lerne ich Orvidiu und seinen 84-jährigen Nachbarn Willi aus der Schweiz kennen. Sie sind beide hier zum Angeln. Orvidiu ist gebürtiger Rumäne, ab seinem 8. Lebensjahr in Bayern aufgewachsen und arbeitet nun als Krankenpfleger in Zürich. Ich habe selten jemanden getroffen, der so schlecht über sein Heimatland denkt. Doch viele Punkte die er anspricht, wie zum Beispiel das Machogehabe der rumänischen Männer oder der hohe Verschuldungsgrad der Rumänen, lassen sich auch nicht leugnen. Dann geht es auf die zweite Bootsrunde. Der jüngere Bootsmann Christi II. fährt uns diesmal durch so enge und zugewachsene Kanäle, dass wir unsere Köpfe vor dem Schilf schützen müssen und unser Guide immer wieder den Motor aus dem Wasser zieht, damit er nicht an im Wasser liegenden Baumstämmen hängen bleibt. Wieder sehen wir Pelikane und auch Kormorane, die stolz Ihr Gefieder in der Sonne trocknen. Danach geht es weiter zu unvorstellbar großen Seerosenfeldern, auf denen kleinere Vögel spazieren. Sowohl die Pflanzen als auch die Tierwelt hier ist so faszinierend, dass man unbedingt einen Ausflug mit kleinen Motorbooten in das Delta unternehmen sollte. Mit den riesigen Ausflugsschiffen ab Tulcea ist diese Natur nicht zu erkunden. Am Abend schaue ich mit Orvidiu, Willi und Christi II., der übrigens seine Schneidezähne bei einem Bootsunfall verloren hat und jetzt einen Teil seines 180 EUR Monatslohnes für neue spart, das Weiterkommen der rumänischen Fussballclubs in der Europaliga an.

Am Ende eines Traumes

•25. August 2009 • 4 Kommentare

25.08.09

45° 10’N 028° 47’E

Tulcea

Um 15:14 Uhr fotografiere ich das Ortsschild von Tulcea. Damit habe ich genau einen Monat nach meiner Abfahrt in Frankfurt am Main mein Ziel erreicht. 3.200 Kilometer auf meinem Rotor Komet liegen hinter mir. Es tut gut, anzukommen.

Zuvor war Tulcea für mich nur ein Punkt auf der Landkarte. Die letzte große Stadt, bevor die Donau in einem riesigen Delta in das Schwarze Meer mündet. Ein Punkt, der zu einem Ziel wurde. Ein Ziel, das ich erreichen wollte. Erreichen mit einem in Zeiten von Billigflügen für viele wohl überholten Verkehrsmittel. Ich habe es geschafft. Ich bin tatsächlich von meiner Haustür in Frankfurt am Main an das Schwarze Meer mit dem Fahrrad gefahren.

Jetzt kann ich behaupten, es war einfacher als gedacht. Doch ich bin mir dabei sehr bewusst, dass ich unwahrscheinlich viel Glück bei dem ganzen Abenteuer hatte. Es gab keinen einzigen Defekt an meinem Fahrrad oder an meiner restlichen Ausrüstung. Okay, ich hatte auch ungefähr ein halbes Jahr lang meine Ausrüstungsgegenstände anhand von Berichten anderer Reiseradler recherchiert und mich an deren Empfehlungen orientiert. Für die Weitergabe all dieser Erfahrungen danke ich Euch allen sehr. Und wer Fragen hat zu meiner Ausrüstung, kann diese gerne an mich unter sven.furrer@t-online.de stellen. Die Liste der Gegenstände findet Ihr ja auf dieser Blog-Seite. Aber nicht nur das Material war wichtig für das Gelingen der Tour. Auch meine Fitness und Gesundheit spielten mit. Die Tour ist nämlich auf keinen Fall zu unterschätzen. Allein heute hatte ich noch einmal 700 Höhenmeter und knapp 100 Kilometer zu absolvieren. Strecken von über 100 Kilometer waren für mich die Regel. Und dennoch fand ich einmal keine Unterkunft und musste wild zelten. Bei den warmen Temperaturen und den wenigen Regentagen hätten eventuell eine Isomatte und ein Schlafsack ausgereicht, um mal eine Nacht ohne feste Unterkunft auszukommen.

Sehr zufrieden war ich mit meinem Fahrrad, dem Rotor Komet von Generator Sports in Leipzig. Alles andere als ein wirklich robustes Reiserad hätte für mich auf dieser Tour keinen Sinn gemacht. Ich kann jedem, der eine ähnliche Tour plant, nur raten, ein ähnlich stabil ausgelegtes  Rad zu wählen. Denn immer wieder ging es über ausgewaschene Dammwege oder über kilometerlange Straßenbaustellen ohne Asphaltbelag. Von Schlaglöchern, in denen mein Vorderrad komplett verschwunden wäre, und Straßenbelägen, die eigentlich die Bezeichnung „Teerflickenteppiche“ tragen sollten, ganz zu schweigen. Und in vielen osteuropäischen Städten beträgt die Bordsteinhöhe auch schon mal 30cm ohne Abschrägung. Besonders hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang auch meine Laufradwahl, bestehend aus Rigida Sputnik Felgen, Rohloff- bzw. Shimano XT-Nabe, DT Swiss 2.0 Speichen und dem alles überragenden Schwalbe Marathon XR Mänteln. Insbesondere letztere sind für mich so unglaublich robust. An meinem Vorderreifen ist nach über 3.000 Kilometern kaum Abrieb zu erkennen. Trotz teilweiser übler Schotterpassagen hatte ich keinen einzigen Plattfuß. Die Reifen sind ein absolutes Muß für jeden Reiseradler.

Doch damit genug zur Technik und eine kurze Zusammenfassung zu den Höhepunkten und Tiefpunkten der Tour aus Ländersicht. Mich haben alle Länder entlang der Donau auf Ihre eigene Art und Weise fasziniert. Von Serbien und Rumänien wurde ich definitiv positiv überrascht. So wunderschöne Landschaften und so aufgeschlossene Menschen hatte ich dort nicht erwartet. Mit den Einwohnern Bulgariens konnte ich mich nicht wirklich anfreunden. Vielleicht habe ich aber auch nur die falschen getroffen. Die interessantesten Städte entlang der Donau muß ich nicht mehr erwähnen. Davon gibt es einfach zu viele davon. Aber auch Übernachtungen wie beispielsweise an der Kreuzung der Straßen 3A/2B in Rumänien oder Zelten auf freiem Feld in Serbien werden mir wohl besonders in Erinnerung bleiben. Den eigentlichen Höhepunkt der Reise, das Donaudelta an sich, werde ich morgen vom 40 Kilometer entfernten  Murighiol aus per Boot im Rahmen eines zweitägigen Aufenthaltes auf einem Hotelboot genießen. Danach geht es Freitag oder Samstag noch einmal per Pedale in Richtung Flughafen Mihail Kogălniceanu bei Constanta, von wo aus die rumänische Fluggesellschaft TAROM  mich und hoffentlich auch mein Bike am Sonntag nach Hause fliegen werden.

Schließen möchte ich diesen kleinen Reise-Blog mit folgenden Gedanken zu unseren Träumen, die es zu verwirklichen gilt:

„Der Mensch darf nie aufhören zu träumen. Der Traum ist für die Seele, was Nahrung für den Körper bedeutet. …

Der gute Kampf ist der, den wir im Namen unserer Träume führen. Wenn sie mit aller Macht in unserer Jugend aufflammen, haben wir zwar viel Mut, doch wir haben noch nicht zu kämpfen gelernt. Wenn wir aber unter vielen Mühen zu kämpfen gelernt haben, hat uns der Kampfesmut verlassen. Deshalb wenden wir uns gegen uns selber und werden zu unseren schlimmsten Feinden. Wir sagen, dass unsere Träume Kindereien, zu schwierig zu verwirklichen seien oder nur daher rührten, dass wir von den Realitäten des Lebens keine Ahnung hätten. Wir töten unsere Träume, weil wir Angst davor haben, den guten Kampf aufzunehmen. …

Das erste Symptom dafür, dass wir unsere Träume töten, ist, dass wir nie Zeit haben. …

Das zweite Symptom dafür, dass unsere Träume tot sind, sind unsere Gewissheiten. Weil wir das Leben nicht als ein großes Abenteuer sehen, das es zu leben gilt, glauben wir am Ende, dass wir uns in dem wenigen, was wir vom Leben erbeten haben, weise, gerecht und korrekt verhalten. …

Das dritte Symptom für den Tod unserer Träume ist schließlich der Friede. Das Leben wird zu einem einzigen Sonntagnachmittag, verlangt nichts Großes von uns, will nie mehr von uns, als wir zu geben bereit sind. Wir halten uns dann für reif, glauben, dass wir unsere kindischen Phantasien überwunden und die Erfüllung auf persönlicher und beruflicher Ebene erlangt haben. …

Aber in Wahrheit, ganz tief im Inneren unseres Herzens, wissen wir, dass wir es in Wirklichkeit nur aufgegeben haben, um unsere Träume zu kämpfen, den guten Kampf zu führen.“

Aus Paulo Coelho’s „Auf dem Jakobsweg“

In diesem Sinne werde ich weiter träumen und hoffentlich auch ein paar dieser Träume realisieren können.

Baustellen, Baustellen, Baustellen

•24. August 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

24.08.09

45° 16’N 027° 57’E

Braila

Nach erwartet leckerem Frühstück in Form eines großen Eier-Schinken-Käse-Omelettes ging es kurz nach 9 Uhr los in Richtung Braila. Es würde eine kurze Etappe werden. Soviel war klar. Und die ersten 30 Kilometer strampelte ich auch relativ zügig runter. Die Straße gehörte mir fast alleine und einzig die vielen Baustellen konnten mich bremsen. Immer wieder genoß ich die Ausblicke in unendlich weite Landschaften. Immer wieder wurden diese Flächen zum Weiden von Ziegen- oder Kühen genutzt.

Doch dann die letzten 35 Kilometer, die hatten es irgendwie wieder in sich. Strammer Gegenwind und diesmal kilometerlange Baustellen mit richtig schlechtem Schotterbelag fingen an, meine Stimmung etwas zu trüben. Und zum Schluß noch die Anfahrt nach Braila. Die Straße wurde zwar vierspurig, doch immer wieder überholten mich LKWs in knappem Abstand. Das ein oder andere mal fluchte ich Ihnen laut hinterher. Zwar völlig nutzlos, doch ich wurde wenigstens meinen Frust los. Aber alles halb so schlimm. Bereits um 14:30 Uhr erreichte ich Braila und fand auch sehr schnell eine Unterkunft namens Edy’s Hotel. Kalorien habe ich mittlerweile auch schon zu mir genommen und so werde ich mich gleich noch mal auf einen Stadtbummel begeben. Ansonsten gibt es für heute nichts Spektakuläres zu berichten. Ich fiebere einfach der Ankunft am Schwarzen Meer morgen entgegen….

Romantische Unterkunft

•24. August 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

23.08.09

44° 40’N 027° 46’E

Kreuzung  2A/3B

Mal wieder galt es heute morgen eine Entscheidung zu fällen. Bleibe ich auf dem westlichen Donauufer, oder nehme ich die Strecke rechts des Flusses. Nach der Analyse Streckenlänge, Höhenunterschiede und Unterkunftsmöglichkeiten schied die in Fahrtrichtung rechts der Donau liegende Seite aus. In einem Internetbericht hatte ich nämlich entdeckt, dass es nach ca. 100 Kilometern an der Kreuzung der beiden Straßen 2A (=E60) und 3B ein Motel mit sauberen Zimmern geben soll. Ansonsten wäre die Unterkunftssituation auf beiden Seiten wohl sehr schwierig geworden. Die Fahrt an sich verlief relativ ereignislos und auch die Landschaft konnte mich nicht mehr vom Hocker reißen. Somit ist es vielleicht eine gute Gelegenheit, ein kurzes statistisches Fazit nach nunmehr 4 Wochen „on the road“ zu ziehen:

Gefahrene Kilometer per heute: 3.022 km

Tage unterwegs 30

Ruhetage 3

Regentage 2 halbe = 1 Regentag

Durchschnittliche Kilometerleistung 100,73 km pro Tag  (111,9 km pro Tag ex Ruhetage)

Geschätzte Pedalumdrehungen: > 1 Mio.

Mein Körperfettanteil: 0%

Technische Defekte: verlorene Klemmung an Ortlieb-Tasche

Plattfüße: 0 (sensationell, ich habe noch nicht einmal Luft nachpumpen müssen)

Körperliche Defekte: 2 taube Finger an der linken Hand, leichte Verspannungen in der linken Schulterpartie und unzählige Moskitostiche. Nichts, was mich beunruhigt.

Bleibt mir nur zu hoffen, dass die Bilanz nach den restlichen ca. 200 Kilometern bis zur Donaumündung und danach noch einmal ca. 150 Kilometern bis Constanta ähnlich positiv bleibt.

So langsam freue ich mich auf die Ankunft am schwarzen Meer.

Ach ja, wieso der heutige Titel „Romantische Unterkunft“? Nun ja, das Motel liegt wirklich an einer vielbefahrenen Kreuzung. Es steht direkt neben einer Tankstelle und sonst gibt es weit und breit nichts außer Prärie. Meine Kammer ist komplett holzverkleidet und erinnert mich irgendwie an das Zimmer einer Skihütte, zumal auch noch ein Bild mit schneebedeckten Bergen an der Wand hängt. Nur der permanente Verkehrslärm beraubt mich dauernd dieser Winterurlaubsillusion. Gut, dass ich Oropax dabei habe, denn unter meinem Zimmer in der Gaststube läuft auch noch der Fernseher auf voller Lautstärke. Und das wahrscheinlich 24h lang, ist ja schließlich ein Rasthof.

Na dann Gute Nacht…

Strecke machen

•23. August 2009 • 2 Kommentare

22.08.09

44° 11’N 027° 20’E

Calarasi

Der gestrige Blick in die Karte machte mir eines klar. Heute hieß es Strecke machen. Denn von Giurgiu aus gab es laut Karte erst wieder in Calarasi Unterkunftsmöglichkeiten. Bis dahin schätzte ich die Strecke auf weit über 100 Kilometer. Und so wurde daraus heute dann auch ein neuer Streckenrekord mit 148 gefahrenen Kilometern. Zum Glück erwarteten mich nur kurz nach Giurgiu einige kleinere Anstiege. Der Rest der Strecke verlief weitgehend flach. Dazu hatte ich heute zumindest teilweise meinen alten Freund Rückenwind wieder auf meiner Seite. Ansonsten hätte ich diese lange Distanz wohl nicht so leicht hinter mir gelassen. Besonders gut gefallen haben mir heute neben den weiterhin extrem freundlichen Rumänen die tollen Ausblicke über unendlich erscheinende Felder. Solch große Agrarflächen und solch weite Blickmöglichkeiten gibt es in Deutschland gar nicht. Immer wieder halte ich an und genieße die Weite Rumäniens. Um mir die Zeit auf den teilweise wieder sehr einsamen und geraden Strecken zu verkürzen, fahre ich einen Großteil mit Musik von meinem ipod auf den Ohren. Das hilft mir ungemein, das biken zu genießen, führt aber auch das ein oder andere mal dazu, dass mich Kinder, die sich in Bäumen verstecken, wunderbar mit Ihrem Geschrei erschrecken können. Circa 35 Kilometer vor meinem heutigen Etappenziel habe ich dann auch noch einen rumänischen Verfolger. Hartnäckig klemmt er sich an mein Hinterrad. Irgendwann sehe ich nicht mehr ein, die ganze Arbeit „im Wind“ zu verrichten und gehe aus der Führungsposition. Mit etwas Widerwillen setzt er sich an die Spitze, gibt dann aber richtig Gas. Also klemme ich mit meinem schwer beladenen Reiserad dahinter und versuche, die knapp 30 km/h mitzuhalten. Ich denke mir, ewig kann der das auch nicht durchhalten. Und so kommt es auch. Ruckzuck darf ich wieder nach vorne und er klemmt wieder hinter mir. An der nächsten Tankstelle reicht es mir. Wir verabschieden uns freundlich und ich versorge mich erst mal wieder mit Getränken. Während Rumänen Benzin in PET-Getränkeflaschen abfüllen, fülle ich meine mit Wasser wieder auf. Danach noch ein kurzer Zwischenstopp an einem Minimarkt zwecks Eisaufnahme und dann werden die letzten 20 Tageskilometer in Angriff genommen. Mist, die Pause hat mir überhaupt nicht gut getan. Trotz Cola und Eis fühle ich mich total unterzuckert. Ich fahre wie in Trance und habe das Gefühl, mein Rad schlingert total. Also will ich anhalten und da passiert es. Ich habe das Mistvieh nicht gesehen, es aber mich und schon rennt es auf mich zu. Trotz akutem Erschöpfungszustand kann ich den Köter auch diesmal abhängen. Mein Herz rast und an der nächsten Einbuchtung bleibe ich stehen. Meine restlichen Riegel- und Gebäckvorräte müssen jetzt daran glauben. Danach geht es mir besser. In Calarasi angekommen, finde ich auch sofort ein Hotelzimmer. Nach dem obligatorischen Dusch- und Waschprogramm steht als erstes Abendessen an. Das besteht dann auch aus 2 Schweinenackensteaks, 3 Kebapspießen, 1 großem Salat, 2 Cappucini und 2 großen Bier. Auf dem Heimweg gönne ich mir dann noch 2 Magnum-Eis. Irgendwie muß ich meinen Kalorienhaushalt ja wieder ausgleichen. Und ganz ehrlich, ich freue mich schon wieder auf das Frühstück.

Rumänien gefällt mir immer besser

•21. August 2009 • 1 Kommentar

21.08.09

43° 53’N 025° 58’E

Giurgiu

Die Freundlichkeit der Rumänen beeindruckt mich heute sehr. Besonders in den kleinen Dörfern und auf dem Land, komme ich nicht darum, fast bei jeder Begegnung die Hand zum Gruß zu heben. Das ist bei den Schlaglöchern oftmals gar nicht so ungefährlich. Entgegenkommende Autos hupen und Kinder rennen auf die Straße und wollen mir die Hand schütteln. Da macht das Rad fahren wirklich Spass.

Ich bewundere den ganzen Tag Menschen, die von Hand Mais ernten, Schafe hüten, Zäune zimmern, riesige Häuser bauen, am Straßenrand sitzen und stricken, Kindern direkt an der Straße aus Büchern vorlesen, Sand sieben, Wäsche aufhängen, Traktoren anschieben, Kühltransporter ausladen, Autos abschleppen, Pferde tränken, und, und, und. Das Leben der Rumänen scheint sich irgendwie immer um die Hauptstraßen der Dörfer herum abzuspielen. Und wer gerade mal nichts zu tun hat, der sitzt auf der Bank vor seinem Haus oder trinkt sein Bier in der nächsten Kneipe und winkt mir zu.

Am frühen Nachmittag werde ich plötzlich an einer Wegkreuzung in Lisa von einem Kleinwagen mit deutschem Kennzeichen überholt. Es dauert nicht lange, der Wagen hält, die Scheibe des Beifahrers geht runter und ich werde gefragt, ob ich eine Karte dabei hätte. Klar habe ich eine Karte dabei. Aber doch nicht von ganz Rumänien. Meine Route verläuft an der Donau. In dem Auto sitzen vier junge Deutsche, die Europa mit dem Auto durchqueren und gerade von Sofia nach Budapest wollen. Leider sind sie die letzten 150km in die falsche Richtung gefahren. Dumm gelaufen. Aber mit dem Auto halb so schlimm. Mich würde das zwei Tage kosten, denke ich mir. Zum Glück ist mein Kartenmaterial vom Huber-Verlag aber hervorragend und führt mich auch heute wieder die 125km bis nach Giurgiu. Zusätzlich habe ich ja auch noch das GPS-Gerät dabei. Also navigatorisch habe ich bisher überhaupt keine Probleme gehabt. In Giurgiu finde ich trotz mehrerer Runden durch die Stadt allerdings zunächst keine passende Unterkunft. Also frage ich zwei am Straßenrand sich unterhaltende Rumänen. Der eine überlegt nicht lange, verabschiedet sich von seinem Freund, schwingt sich auf sein Fahrrad und bedeutet mir, ich solle ihm folgen. Keine 5 min später habe ich meine Unterkunft. Bleibt als letzte Aufgabe des heutigen sehr schönen Tages, nachdem ich diese Zeilen hier verfasst habe, noch die Kaloriensuche…

 
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